Auf Gottes Wegen, page 119 by Bjørnstjerne M. Bjørnson
<< Return to Title Details & Download120
ließ, die Reisegarderobe einzukaufen; das machte ihr Spaß. Wenn er nur einmal länger mit ihr hätte sprechen können, oder wenigstens eine Weile täglich; aber sie war vorsichtig bis aufs äußerste. So schrieb er denn ellenlange Briefe; zu antworten wagte sie nicht, da sie sich von der Tante und von der Köchin überwacht glaubte. Aber weil die Briefe mit aller Macht der Liebe zu ihr sprachen, und da sie auch alle List der Liebe anwandten, indem sie auf ihre Phantasie einzuwirken suchten, so richteten sie mehr aus als die Zusammenkünfte. Daß die Briefe an ihr Ziel gelangten, verdankten sie der schlauen Marie, die sowohl der Tante als der Nordlandköchin über war. Kallem lebte, solange diese Unterhandlungen andauerten und seine ganzen Kräfte in Spannung erhielten, für nichts anderes. Beharrlichkeit erhöht den Mut; und als endlich das Kabeltelegramm die Antwort "Ja" brachte, wagte er es, einen kühnen Plan zu entwerfen. Dieser bestand darin, bis zur nächsten Abfahrt des großen englischen Dampfers alles fertig zu machen, Ragni selbst kein Wort zu sagen, sondern sich nur zu vergewissern, daß sie an dem Tage einen Vorwand hatte, frühzeitig auszugehen und lange fortzubleiben, und endlich es so einzurichten, daß auch Marie frei war. Auf zwei Stunden vor der Abfahrt des Dampfers war Ragni in seine Wohnung bestellt; Gepäck und Billet waren längst dort.
Am bestimmten Tage und zur bestimmten Stunde kamen Marie und sie. Ragnis Gepäck war schon früh am Morgen an Bord gebracht worden, auch der Wagen, der sie abholen sollte, bestellt und bezahlt. Nichts im Zimmer erinnerte an eine Abreise; aber die Art, wie er sie empfing, erweckte in ihr die Furcht, daß etwas im Werke sei. Sonst war er immer sehr zurückhaltend gewesen, schon weil Marie dabei war; heute umarmte er Ragni mit all der Innigkeit, die er für sie empfand, und schien sie kaum lassen zu können. Sein Schmerz n