Auf Gottes Wegen, page 199 by Bjørnstjerne M. Bjørnson
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achtsgäste hier vorbeizögen; nachts lösten sich die Wachen ab. Er hörte das von der Frau, die gegen elf Uhr wiederkam, um zu helfen. Es war nicht viel zu tun -- außer für den Doktor, und der wußte nicht, ob er wagen dürfe, etwas zu tun.
Zuerst machte er eine Einspritzung von ein Drittel Milligramm; darnach wurde der Puls kräftiger. Kallem faßte Hoffnung, wagte aber nicht, sie den flehenden Augen des Mannes zu übermitteln. Sie konnte trügen. Ein paar Stunden lang hielt sich der Puls; dann sank er wieder. Wieder eine Dosis; und wieder hob er sich. In größter Spannung saß er da und beobachtete. Er hatte sich ein Buch mitgebracht, versuchte es, unter die Lampe zu halten, brachte auch dann und wann einmal Sinn in einen Satz, vergaß ihn aber sofort wieder. Gesprochen wurde gar nichts, nur gestöhnt und geseufzt. Der letzte Ruf aus der Ferne, das letzte Schellengeläute war längst verklungen, die letzte Tür geschlossen -- die Nacht leer und grau. Fünf Kinder -- das älteste zehn Jahre -- konnten in jeder Sekunde ihre Versorgerin verlieren; und der Mann, der dort saß und bald nickte, bald sich über die Knie strich, bald die Ellbogen darauf legte und die Hände faltete -- und von der Frau hinüberstierte zum Arzt -- auch der verlor seine Versorgerin.
Sowie der Puls nachließ, eine neue Dosis; und immer wurde er wieder kräftiger; es schien also wirklich richtig, was er tat. Aber die Krise wollte nicht eintreten; es war Mitternacht vorüber, der neunte Tag war -- demnach, was die Leute sagten -- abgelaufen -- und noch immer derselbe aufreibende Kampf. Kallem stand auf, zwischen Furcht und Hoffnung schwankend, nahm sein Buch, hielt es gegen das Licht, legte es wieder weg, und ging wieder ans Bett, um zu messen. Ja -- jetzt war es bald zu Ende mit den Kräften. Der Mann sah es ihm an und kämpfte, um nicht laut aufzuweinen. Der Doktor gebot ihm Schweigen. Wiede