Auf Gottes Wegen, page 89 by Bjørnstjerne M. Bjørnson
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Wie schön sie tatsächlich war! Daß er das nicht gleich gesehen hatte! Daß andere es nicht sahen und davon sprachen! Das Gesicht freilich kindlich, unentwickelt, und die schlanke Figur ein bißchen schmächtig. Ihre Stirn war entzückend; die Brauen waren fein gebogen, aber hell und nicht stark. Die Augen bekam man auch jetzt nur schwer zu sehen; aber er wußte nun, daß sie in ihrer graublauen Scheuheit treuherzig und daß sie reich waren. Weich und unbestimmt waren Wange, Kinn und Mund; -- der Mund stand ein bißchen offen; er war klein, und wirkte dadurch ganz besonders "süß". Die Nase war unbedeutend, und auch etwas schief. Das Haar nicht stark, jedoch mit einem rötlichen Schimmer über dem Blond. Aber die Hautfarbe! Vom reinsten zartesten Weiß. -- Man konnte den Blick nicht mehr davon wenden, wenn man es einmal entdeckt hatte! Man sah es freilich nicht gleich, wenn die Farbe des Kleides sie nicht hob und die Beleuchtung schlecht war. Sie trug keinen Schmuck, nicht einmal ein Armband. Die Handgelenke ließen eine lange, schmale Hand ahnen, die er gern gesehen hätte. "Sie lieben also die Musik über alles?" -- "Ja," erwiderte sie; "es ist ja das einzige, was ich kann!" Sie blickte vor sich nieder. Er überlegte, ob er eigentlich nichts fragen könne, was sie nicht als Schande empfinden konnte. Aber vor allem mußte er sich selber in acht nehmen; war er nicht auf dem besten Weg, sich zu verlieben? Leider müsse er jetzt weiter, um mit andern zu tanzen und sich zu unterhalten. Sobald er sie verlassen hatte, war ihm, als finde er sie nicht wieder; aus der Entfernung wurde sie gewissermaßen unsichtbar. Sobald es der Anstand erlaubte, war er wieder bei ihr. Sie hatte augenscheinlich nichts dagegen. Diesmal war sie ein bißchen zutraulicher, ja, sie sah ihn sogar ein paarmal an und lächelte ihm gerade in die Augen. Ei, ei! Das war mehr, als Rendalen erreicht hatte! Seine Verliebtheit